Die Sportentwicklungsplanung will Stuttgartern Beine machen – so könnte man das Konzept zusammenfassen, das die Verwaltung am Donnerstag, 15. März 2011, in den Gemeinderat einbrachte. Die zentrale Fragen: "Wie kann eine Stadt das Potential der Bewegung für ihre Bürgerinnen und Bürger ausschöpfen?" und "Wie kann der Sport einen möglichst wertvollen Beitrag zur Stadtentwicklung leisten?"
Die Antworten liefert der Sportentwicklungsplan. Bundesweit einzigartig für eine Großstadt ist das Verfahren, bei dem alle Stadtbezirke einbezogen werden: "Der Ansatz von unten nach oben war uns besonders wichtig", hob die Bürgermeisterin für Kultur, Bildung und Sport, Dr. Susanne Eisenmann, hervor.
Dr. Stefan Eckl vom Stuttgarter Institut für kooperative Planung und Sportentwicklung (IKPS) ergänzte: "Das ermöglicht ein detailliertes, zielgenaues Vorgehen bei der Sportentwicklung und Bewegungsförderung." Eckl hat das Konzept wissenschaftlich begleitet. "Die Bürger haben keine Wunschlisten geschrieben, sondern sehr genau abgewogen, was nötig und was möglich ist", lobte er bei der Vorstellung.
Der von der Landeshauptstadt im Jahr 2007 mit einer Bevölkerungs- und Expertenbefragung gestartete Prozess wurde durch das aus Stuttgart unterstützt. Ziel der Sportentwicklungsplanung war nicht nur die Entwicklung von Leitzielen, Empfehlungen und Maßnahmen auf der gesamtstädtischen Ebene, sondern die Betrachtung der Entwicklungschancen in den 23 Stuttgarter Stadtbezirken.
Über 400 Bürger beteiligten sich
Bei 70 Arbeitssitzungen mit fast 180 Stunden Dauer haben sich über 400 Personen aus Sportvereinen, Schulen, Kindertageseinrichtungen, Jugendeinrichtungen und Seniorenvertretern in den Stadtbezirken engagiert eingebracht und gemeinsam konkrete Maßnahmen und Empfehlungen entwickelt. Die vielfältigen Ergebnisse wurden von der Sportverwaltung in ein Handlungsprogramm aufgenommen, das die Richtung der Sport- und Bewegungsförderung der nächsten Jahre vorgeben soll.
"Die Weiterentwicklung von Sport und Bewegung ist ein kontinuierlicher Prozess, der mit dem vorliegenden Bericht nicht abgeschlossen ist", so Susanne Eisenmann, "Wichtig sind die lokalen Netzwerken, die Kitas, Schulen und Sportvereine verknüpfen."
Der Sportentwicklungsprozess hat bestätigt, dass die Sportförderung der Stadt mit den 2009 neu gefassten Förderrichtlinien zielführend ist und eine gute Basis für die Umsetzung der Ergebnisse der Sportentwicklung darstellt. Die Kosten für die Planung belaufen sich auf 100.000 Euro.
Zukünftige Handlungsfelder des Stuttgarter Sports
Über 400 Handlungsempfehlungen gab es aus den Stadtbezirken. Davon ausgehend wird sich die Sportentwicklung auf folgende Felder konzentrieren:
Projekte für Jung & Alt
Sport und Bewegung sind für viele Bürgerinnen und Bürger ein wichtiger Aspekt für mehr Lebensqualität. Ein Motiv sich zu bewegen und Sport zu treiben hat daher auch eine besonders hohe Bedeutung: die Gesundheit.
Die Gesundheitsorientierung rückt gerade auch bei den kleinen Kindern immer stärker in den Vordergrund: Übergewicht und motorische Auffälligkeiten gehören leider schon bei kleinen Kindern zum gewohnten Bild. Dabei gibt es große Unterschiede in den Wohngebieten, der Muttersprache und beim Geschlecht der Kinder. Übergewicht ist in Stuttgart bei Mädchen ein größeres Problem als bei Jungen.
Die Bewegungsförderung von Kindern ist daher ein wichtiges Handlungsfeld in den nächsten Jahren. Für die frühe Bewegungsförderung wurde mit „kitafit“ ein neues Programm entwickelt, das vor allem an den Kindertageseinrichtungen wirken soll. "Dies kann nur durch die intensive Zusammenarbeit verschiedener Ämter und Institutionen sowie insbesondere den Sportvereinen geschehen", so Dr. Eisenmann.
In Stuttgart leben derzeit rund 140.000 Personen, die über 60 Jahre alt sind. Durch Sport und Bewegung ist es möglich, länger fit zu bleiben, bzw. die Selbständigkeit im Alter länger zu bewahren. Die Bewegungsförderung von Älteren ist daher ebenfalls eines der Handlungsfelder, die durch die Sportentwicklung definiert wurde.
Stuttgart kann in der Sportentwicklung schon auf vorhandenen Programmen aufbauen: die Bedeutung der Mitte der 90er Jahre begonnenen Programme "Aktiv älter werden" und "Gemeinschaftserlebnis Sport" wurde durch die Sportentwicklung bestätigt. "Aktiv älter werden" erreicht wöchentlich rund 7.000 – 8.000 Personen zwischen 50 und 98 Jahren. Das "Gemeinschaftserlebnis Sport" spricht rund 15.000 Kinder und Jugendliche aus zum Teil schwierigen sozialen Verhältnissen an. Dr. Eisenmanns Zielvorgabe ist klar: "Wir wollen diese beiden sehr erfolgreichen Programme konzeptionell erweitern und so noch mehr Bürger erreichen."
Vom Spielplatz zu Bewegungsparks
Günter Kuhnigk, Leiter des Sportamts, betonte: "In Stuttgart finden sich rund 500 Spielplätze. Künftig wollen wir noch mehr multifunktionale, generationenübergreifende Bewegungsparks anbieten." Beispielhaft nannte er die Sportanlage Vaihingen-West. Die Anlage, eröffnet im vergangenen Jahr, wird den Bedürfnissen von Jung und Alt, von Vereinen und Individualsportlern gerecht. und den modernen Vorstellungen unserer Sport- und Stadtentwicklung vollständig entspricht.
Was wird aus dem Vereinssport?
Ein weiteres Handlungsfeld der künftigen Sportentwicklung ist die Zukunft der Sportvereine in Stuttgart. Mit den neuen Sportförderrichtlinien aus dem Jahr 2009 wurden hierfür schon Grundlagen gelegt, zum Beispiel der Kooperationen oder Fusionen von Sportvereinen. Auch die Unterstützung des vereinsunabhängigen Sports durch die Stadt war immer wieder Thema der Arbeitssitzungen zur Sportentwicklung. Mit dem Angebot „Sport im Park“ als offenes und kostenloses Angebot für Erwachsene, hat die Sportverwaltung im Jahr 2010 bereits ein erfolgreiches Pilotprojekt gestartet, das in den kommenden Jahren ausgebaut werden soll.
Häufig thematisiert wurde auch die Bedeutung von Sportstätten insbesondere Sportanlagen und Hallen für die Bevölkerung zum Beispiel für Mannschafts- und Wettkampfssport. In einigen Stadtbezirken hat sich eine Unterversorgung an Hallenkapazitäten ergeben. In den Handlungsempfehlungen wird für jeden Stadtbezirk auf die Mängel konkret eingegangen.
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