Langlaufen im Hochsommer? In Jesingen muss dieser Wunsch kein Hirngespinst bleiben. Die Kirchheimer „Sportentwicklungsplanung" lässt Träume und Visionen zu. Aber sie hat auch schon ganz konkrete Ergebnisse gebracht. In den Teilorten können einzelne Ideen mit wenig Aufwand umgesetzt werden. Der Renner: Bouleplätze.
Kirchheim. „Ein roter Faden ist jetzt vorgegeben, auch wenn wir derzeit noch einen sportentwicklungstechnischen Blick in die Zukunft werfen.“ Mit diesen Worten kommentierte Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker in der jüngsten Ratssitzung den aktuellen Stand der Kirchheimer Sportentwicklungsplanung. Schwerpunkte und charakteristische Profile für die einzelnen Teilorte wurden mittlerweile ins Auge gefasst.
Im Ratsrund gab es viel Lob für den aktuellen Planungsstand. Kirchheim will mit der modernen Herangehensweise an den Sport dem Etikett „Sportstadt“ gerecht werden und möglichst viele Bürger zum Mitmachen motivieren. Dahinter steckt die banale Erkenntnis, dass der Vereinssport im ganz klassischen Sinne längst nicht mehr jedermann anspricht und außerdem der parallele Betrieb hochwertiger Sportangebote in mehreren Ortsteilen zu teuer geworden ist.
Sport ja, Leistung ganz nach Belieben, so lautet kurz gefasst das Ideal des modernen Sporttreibenden. Dies wurde durch eine groß angelegte Befragung der Kirchheimer Bürger untermauert. Die Ratsmitglieder lobten in der aktuellen Planung die breite Palette bewegungsfördernder Angebote, die zum großen Teil auch generationsübergreifend ausgerichtet seien. Der Tatsache, dass viele Menschen überhaupt keinen Sport betreiben, werde nach Kräften entgegengewirkt.
Auch Siegfried Hauff, langjähriger Vorsitzender des SfL Kirchheim, ist davon überzeugt, dass die Bewegungsangebote, die neu in den Teilorten entstehen, Menschen anlocken werden. Zwar müssen Boulebahnen und andere Sportstätten eingezäunt werden, um beispielsweise gegen Vandalismus geschützt zu sein. Doch die Türen werden nicht verschlossen sein. Wer sich öfter dort vergnügt, wird auch Interesse am Verein zeigen, lautet die Logik, die dahinter steckt. Für Hauff hat die Planung noch einen ganz besonderen Charme. Der liegt in der Umsetzbarkeit: „Vieles kann in kleinen Schritten realisiert werden“, betont er, dass nicht immer das finanzielle Füllhorn nötig ist. In Jesingen ist die Inliner-Strecke in greifbarer Nähe, in Nabern dürfte schon bald eine Boulebahn das erste konkrete Projekt sein, und in Ötlingen ein Gemeinschaftsbewegungsfeld für Familien.
Der Umbau der Einrichtungen je nach Zeitgeist soll möglichst leicht möglich sein, „Multifunktionsflächen“ sind gefragt. „Die Umsetzung der einzelnen kleinen Bausteine liegt dann in Vereinshand“, ergänzt Hermann Schnizler, neuer Vorsitzender des SfL. Auch für ihn steht fest: Einzelne aufwendigere Angebote müssen heutzutage aus Kostengründen gebündelt werden.
„Mit dieser Planung haben sich die Vereine auf die Zukunft eingestellt, darauf kann auch der Gemeinderat stolz sein“, fasst die Oberbürgermeisterin zusammen. Im nächsten Schritt soll nun die Feinabstimmung der Angebote in den einzelnen Ortsteilen erfolgen.
Noch nicht ganz spruchreif ist das geplante „Sportvereinszentrum“, das vermutlich der VfL betreiben wird. Gemeinsam mit dem Württembergischen Landessportbund wird derzeit eine Machbarkeitsstudie detailliert ausgearbeitet, die von einem Einzugsbereich von 80 000 Menschen ausgeht. Favorisiert wird jetzt ein Standort an der Stelle der bisherigen Kegelbahnen beim Stadion. Der zeitliche Ablauf soll mit der Betreibergesellschaft Stadion abgestimmt werden, die bekanntlich das Stadion umbauen will. Die Mitgliedschaft im Sportverein soll über den „Kirchheimer Sportpass“ zur Nutzung des Zentrums berechtigen. „Es gibt mittlerweile 37 solcher Vereinszentren im Land“, bilanziert Angelika Matt-Heidecker und betont: „Das ist die Zukunft!“
Quelle:
http://www.teckbote.de/nachrichten/stadt-kreis_artikel,-Bouleplaetze-und-eine-Sommerloipe-_arid,66843.html