"Kommunales Vereinsnetzwerk Wertheim - Sport": Neue Formen der Zusammenarbeit sollen besprochen und erprobt werden
Wertheim. Für einen Moment hatte Heinz Janalik sogar ein wenig Pathos in der Stimme, als der Präsident des Badischen Sportbundes Nord begründete, warum sich ausgerechnet Wertheim besonders dafür eignet, das Pilotprojekt eines "Kommunalen Vereinsnetzwerks" zu starten: Angesichts der "vorbildlichen Sportaffinität" und "weil hier vorbildlich gearbeitet wird", nicht zuletzt aber auch wegen des "Glücksfalls, dass sich die notwendigen Partner vor rund einem Jahr hier getroffen haben". Deshalb beginnt man in der Großen Kreisstadt an Main und Tauber eine Aktion, die aber möglichst ins ganze Land ausstrahlen und den Vereinen, zunächst den Sportvereinen, bei der Bewältigung ihrer Probleme helfen soll.
Wie groß das Interesse an der Thematik ist, zeigte die Tatsache, dass von 38 sporttreibenden Vereinen 27 der Einladung gefolgt waren und am Montagabend Vertreter zum Informationsaustausch in den Barocksaal des Rathauses geschickt hatten.
Immer mehr Vereine, darauf machte Oberbürgermeister Stefan Mikulicz aufmerksam, haben Schwierigkeiten, ehrenamtlichen Nachwuchs für den Vorstand, aber auch als Trainer oder Übungsleiter zu finden. "Damit müssen wir uns auseinandersetzen", so der OB. Mit dem geplanten "Kommunalen Vereinsnetzwerk Wertheim - Sport" begebe man sich auf einen neuen Weg. "Es geht nicht darum, eine neue Verwaltungseinheit bei der Stadt zu bilden", machte er deutlich, sondern in einem Netzwerk Know-how zusammenzubringen und zu bündeln, über neue Formen der Zusammenarbeit und von Zusammenschlüssen nachzudenken. Dabei soll die Eigenständigkeit der jeweiligen Organisationen gewahrt bleiben. "Wertheim ist der beste Boden für so ein Pilotprojekt", zeigte sich Mikulicz überzeugt. "Wenn nicht hier, wo dann?"
Dass der erste Blick auf die Problemlage nicht ausreicht, betonte Henz Janalik. Denn der sei von der Innenansicht geprägt. Man müsse aber auch auf das Dahinterliegende schauen. Die Erwartungshaltung heutiger Vereinsmitglieder unterscheide sich zum Teil massiv von der früherer Jahrzehnte. Dem gelte es, Rechnung zu tragen. Selbstbewusst und eigenständig sein Leben zu gestalten, sei zu begrüßen, könne für Vereine aber schwierig werden.
Dass die Menschen immer älter würden, sei etwas Erfreuliches, könne aber gerade für Sportvereine schnell zum Problem werden. Für Vereine sei es geradezu existenziell, den Blick auch auf die komplexe Realität außerhalb der eigenen Reihen zu richten, postulierte der Präsident "Wir schaffen es nicht mehr alleine", machte er deutlich. "Wenn es irgendwie geht, umarmen Sie den eigentlichen Mitbewerber", rief er zu Kooperation und Zusammenarbeit auf. Das schließe die Auseinandersetzung im sportlichen Wettstreit nicht aus.
"Sportvereine, die die Zeichen der Zeit erkennen, werden überleben. Und es sind schon zu viele gestorben", sagte Janalik. Gleichwohl sei jetzt noch die Zeit, echte partnerschaftliche Netzwerke zu knüpfen, ohne dass man von der Not zu der Erkenntnis gezwungen werde.
Das "Kommunale Vereinsnetzwerk" Wertheim, erläuterten der OB und der Sportbund-Präsident, ist ein Pilotprojekt, das von der Stadt, dem Badischen Sportbund Nord, dem Sportkreis Tauberbischofsheim, für den der Vorsitzende Manfred Joachim gekommen war, und dem Landratsamt, das von Sozialdezernentin Elisabeth Krug vertreten wurde, getragen wird.
Unterstützung leistet die Sparkasse Tauberfranken. Für diese sagte Martin Scheurich, man sei sich durch die Kunden, aber auch durch aktive eigene Mitarbeiter der Probleme der Vereine bewusst. Von daher, aber auch wegen der Bindung an die Region, sei die Unterstützung für das Projekt selbstverständlich. Man sehe dies auch als gesellschaftliche Herausforderung. Dr. Stefan Eckl stellte die geplante Machbarkeitsstudie vor, die am Anfang des Pilotprojektes steht. Daran schloss sich eine lebhafte Diskussion an.
Quelle: http://www.fnweb.de/regionales/we/wertheim/20110518_mmm0000001675607.html